Lizenzarbeiten 2018

Absolventi

Am 5. Juli und am 5. September 2018 verteidigten die Absolventinnen und Absolventen des deutschsprachigen Europastudiengangs an der Babeș-Bolyai Universität ihre Bachelor-Arbeiten. Diese Studien im Umfang von 40-60 Seiten  untersuchen ein von den KandidatInnen ausgewähltes Problem mit wissenschaftlichen Theorieansätzen, Konzepten und Methoden. Sie dienen dazu, die im Studium erworbenen Kenntnisse anzuwenden und bilden einen zentralen Teil der Abschlussprüfung.

Die nachfolgende Auswahl von Arbeitsthemen illustriert das Spektrum der Interessen unserer AbsolventInnen und die vielfältigen Kompetenzen,  die im Studium vermittelt werden.

 

Die Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Balkanstaaten (Paul Bucur)

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die EU auf dem Hintergrund früherer Erweiterungen mit Serbien über den Beitritt verhandelt und inwieweit die Beitrittsverhandlungen zu innerstaatlichen Reformen in verschiedenen Politikbereichen (Justiz, Wirtschaft, Grundrechtsschutz, Medien, Verwaltung, Migration) beitragen. Die von der EU formulierten Erwartungen und die nationalen Umsetzungsmaßnahmen werden im Detail für die Schlüsselkapitel 23 (Judikative und Grundrechte) und 24 (Justiz, Freiheit und Sicherheit) in den Beitrittsverhandlungen erörtert. Insgesamt stellt der Autor fest, dass die EU einerseits durch eine besser an die Probleme der Balkanstaaten angepasste Verhandlungsstrategie die Region stabilisiert und zu ihrer politisch-ökonomischen Modernisierung beigetragen hat, andererseits jedoch nicht die wachsenden Spannungen zwischen Serbien und Kosovo sowie die Beeinträchtigungen der Medienfreiheit in Serbien verhindern konnte.

 

Die EU-Beitrittsperspektive für die Türkei (Daniela Andreea Dogaru)

Der EU-Beitritt der Türkei wird seit Ende der 1990er Jahre in der europäischen Öffentlichkeit diskutiert. Nach einem kurzen Überblick zur Entwicklung der EU/EG-Türkei-Beziehungen seit 1949 skizziert die Autorin zunächst die Positionen ausgewählter EU-Mitgliedstaaten zu einem Türkei-Beitritt und unterscheidet dabei geostrategische, sicherheitspolitische, integrations- und demokratiebezogene, ökonomische und kulturelle Argumente. Dann analysiert sie die von den verschiedenen Fraktionen im Europäischen Parlament in drei zentralen Debatten (2004, 2007 und 2012) vertretenen Standpunkte. Auf dieser Basis kann sie dominante Argumentationsmuster der politischen Akteure identifizieren und zeigen, dass sich der Schwerpunkt der Türkei-Debatte im betrachteten Zeitraum von kulturell-identitätsbezogenen zu demokratie- und sicherheitspolitischen Argumenten verlagert hat.

 

The European Union and the Post-2009 Crisis of Moldova (Luminița Karin Dürr)

This thesis describes the political development and crisis of Moldova since 2009 against the backdrop of the Eastern Partnership policy initiated by the EU. A particular focus is placed on the public political discourse and the situation of the media in Moldova. A key finding of the thesis is that Moldova does not constitute a failed state, but may be characterized as a “captive state” that is stuck between two paths of development: closer integration with the EU versus accession to the Eurasian Economic Union established by Belarus, Kazakhstan and Russia in 2015. Due to its significant deficits of democracy and the rule of law, Moldova does not fulfill the EU’s political condition for becoming an EU member state.

 

Potenzial und Probleme der Donauraumstrategie der EU (Denisa-Luana Hârțan)

Die vorliegende Arbeit untersucht die Implementation der EU-Donauraumstrategie an drei exemplarischen Projekten aus den Bereichen der regionalen Wirtschaftsentwicklung, der Wissenschaftskooperation und des Infrastrukturausbaus. Auf der Basis zahlreicher Primärquellen und Interviews analysiert die Arbeit im Detail den Verlauf der Planungen zum Bau einer Donaubrücke bei Brăila. Den theoretischen Rahmen der Arbeit bildet die wissenschaftliche Literatur zur Donauraumstrategie, zur Multilevel Governance innerhalb der EU und zur Governance von Infrastrukturprojekten. Die Arbeit gelangt zu dem Ergebnis, dass die mit der Donauraumstrategie intendierte transnationale Kooperation zwischen den Donau-Anrainerregionen und -Staaten nur mittelbaren Einfluss auf die Entscheidung für den Brückenbau hatte. Die Rekonstruktion der Verhandlungsprozesse zwischen lokalen Akteuren und den Ministerien in Bukarest zeigt vielmehr, dass die Prioritätensetzung der Regierung und die Verfügbarkeit von EU-Kohäsionsfondsmitteln entscheidend dazu beitrug, dass das Projekt bewilligt wurde. Im Gegensatz zu den ebenfalls betrachteten ökonomischen Kooperationsprojekten erscheint der Multilevel Governance-Ansatz daher nicht geeignet, um die Implementation von kostenintensiven Infrastrukturprojekten zu beschreiben und zu erklären.

 

Russlands Beziehungen mit dem Westen und die Folgen der Ukraine-Krise (Roxana Ioana Hîndorean)

Die vorliegende Arbeit untersucht die russischen Einflussnahmen in Deutschland während des Bundestagswahlkampfs 2017, indem sie die offizielle russische Beteiligung am Petersburger Dialog, die russischen Kontakte zu rechtspopulistischen und rechts- sowie linksextremen politischen Akteuren sowie zu den in Deutschland lebenden Migranten aus Russland analysiert. Diese Analysen werden eingebettet in zwei Kapitel zur russischen Europapolitik und zu den Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die russisch-deutschen Beziehungen. Wie die Arbeit dokumentiert, versuchten russische politische Repräsentanten und Medien bzw. Akteure mit Verbindungen zu Russland die Unzufriedenheit im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zu verstärken, verzichteten aber im Interesse einer politisch-ökonomischen Kooperation mit Deutschland auf weitergehende Interventionen.

 

Einstellungen in der rumänischen Gesellschaft im Kontext der EU-Mitgliedschaft (Elisabeta-Iulia Hübel)

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den in der rumänischen Gesellschaft beobachtbaren Einstellungen zur Europäischen Union und deren Veränderung seit dem EU-Beitritt. Nach einem Überblick zur Entwicklung der Beziehungen Rumäniens zur EU werden die Einstellungen und Meinungen auf der Basis von Eurobarometer-Umfragen geschildert. Im Mittelpunkt dieser empirischen Auswertung steht die Entwicklung des in diesen Umfragen geäußerten Vertrauens in die EU. Weitere Abschnitte informieren zur Korruption und ihrer Perzeption in Rumänien, zu den EU-Vorbeitrittshilfen für Rumänien und zu den EU-Zukunftsszenarien im Weißbuch der Europäischen Kommission von 2017.

 

Die Implementation grenzüberschreitender Projekte zwischen Rumänien und der Ukraine (Hannelore Kadar)

In den Jahren 2011 und 2012 realisierte das Kreismuseum der rumänischen Stadt Satu Mare gemeinsam mit der Staatlichen Universität Transkarpatien im ukrainischen Ujhorod ein Projekt zur Erforschung und Erhaltung des grenzüberschreitenden Kulturerbes. Dieses Projekt wurde in der vorliegenden Arbeit als Fallstudie für den Zustand und die Entwicklung der rumänisch-ukrainischen Beziehungen ausgewählt. Außerdem wird ein Überblick zur Kohäsionspolitik der EU und zum European Neighbourhood and Partnership Instrument gegeben, das die EU eingerichtet hat, um unter anderem die Länder der Östlichen Partnerschaft finanziell zu unterstützen.

 

Die sicherheitspolitische Dimension des Transnistrien-Konfliktes (Carmen-Alexandra Mako)

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht die Frage, inwieweit die existierenden Institutionen und Politiken zur Regelung des Transnistrien-Konfliktes die von diesem Konflikt ausgehenden drei zentralen Sicherheitsrisiken für Moldova, die Region und die EU wirksam einschränken. Diese Risiken bestehen in einer erneuten militärischen Eskalation, unterschiedlichen Formen grenzüberschreitender organisierter Kriminalität (Schmuggel, Menschenhandel) sowie in einer „state capture“ durch einflussreiche ökonomisch-politische Akteure („Oligarchen“). Zur Verringerung dieser Risiken wurden unter anderem bereits unmittelbar nach dem bewaffneten Konflikt 1992 eine Gemeinsame Kontrollkommission und 2005 die EU Border Assistance Mission to Moldova and Ukraine gegründet. Die EU hat Transnistrien in das 2014 mit Moldova unterzeichnete Assoziierungsabkommen einbezogen. Die Arbeit zeigt jedoch, dass die existierenden Präventionsansätze keinen dauerhaften Schutz gegen die Sicherheitsrisiken bieten und daher durch ein stärkeres Engagement der EU in der Konfliktbeilegung ergänzt werden sollten.

 

The Debate on the Democratic Deficit of the European Union (Daiana Mocan)

There have been several interrelated scholarly debates on the democratic deficit of the European Union. Scholars have noted that the European Parliament provides the EU with a stronger democratic basis than other international organisations because it ensures the representation of EU citizens in the legislative process. The scope of EU interventions in national politics, the powers of bureaucratic agencies detached from the political process and the persistent national diversity in the EU have, however, raised concerns about the lack of democratic legitimacy. The present thesis reviews and analyzes key contributions to these debates: How are EU institutions (European Commission, Council, European Parliament and European Court of Justice) legitimized by referring to democratic principles? Which individual rights are linked to EU citizenship? To what extent has the EU crisis management during the Eurozone crisis been able to rely on democratic legitimation? How has the popular support for the EU, reflected in the regular Eurobarometer surveys, evolved in different countries and over time? Exploring these questions, the study finds that the Lisbon Treaty has the potential to reduce the existing democratic deficit of the EU because its provisions on the European Citizens’ Initiative enable EU citizens to participate in EU-level decision-making.

 

Poland’s Policy Towards the European Union (Rareș Vlad Neagu)

The present thesis studies how political elites in Poland have discussed about Poland’s position and policy towards the European Union. These debates provide an important background to the ongoing conflict between the EU and the Polish government over the rule of law. The emergence, positions and constellations of political parties in Poland are analyzed as well as the relevance of the Catholic tradition in Poland. The populist rhetoric used by some politicians in Poland tends to resonate with, and to reinforce popular mistrust vis-à-vis the EU. An in-depth analysis of interview statements made by the president of the governing party Prawo i Sprawiedliwość shows how the government seeks to strengthen its negotiating position through rhetorical opposition to the EU, while aiming to preserve a dialogue with the Union.

 

Die Nebenwirkungen des Neoliberalismus für Rumänien (Diana Rață)

Die Arbeit studiert die Auswirkungen des „Neoliberalismus“ und der mit ihm verbundenen multinationalen Unternehmen auf die Wirtschaft und Arbeitswelt in Rumänien. Dabei werden anhand einer eigens erstellten Umfrage und einer Fallstudie sowohl die Arbeitsbedingungen in multinationalen Unternehmen betrachtet, als auch die makroökonomischen und –sozialen Prozesse, denen Rumänien infolge der Globalisierung und transnationalen ökonomischen Integration ausgesetzt ist. Ein zentraler Befund der Arbeit ist, dass die Integration in das globale Wirtschaftssystem einerseits die Unterschiede zwischen Rumänien und dem Westen verringerte, andererseits sozioökonomische, regionale, sektorale und inter-generationale Disparitäten innerhalb Rumäniens vergrößerte und einige Entwicklungsdefizite in Rumänien aufgrund der Zerstörung bestehender Wirtschaftsstrukturen vertiefte.

 

The Role of Military Cooperation in International Security, the Nexus of the INF Treaty and the Anti-Ballistic Missile Shield (Andrei-Tudor Șerbanescu)

This thesis analyzes how the deployment of the anti-ballistic missile shield in Romania is related to the Treaty on Intermediate-Range Nuclear Forces (INF). The INF Treaty was signed by the Soviet Union and the United States in 1987 and led to the elimination of missiles and their launchers with ranges of 500-5500 kilometers, thereby profoundly shaping the post-Cold War European Security Architecture. Russia claims that the Aegis Ballistic Missile Defence System deployed by the US in 2016 in Romania violates the INF ban on land-based missiles because the System would enable the U.S. to store and launch Tomahawk cruise missiles. The US government has rejected these allegations and argues that the Aegis Ashore System is limited to defensive purposes and aimed at intercepting missiles from the Middle East, but not directed against Russia. According to the US government, Russia has violated the INF Treaty by testing intermediate-range missiles since 2014. The thesis argues that Russia and US should take every effort to preserve the INF Treaty and to enable each other to verify the respective missile systems.

 

Die EU-Vermittlungsinitiativen in Kosovo und Mazedonien (Izabella Szakács)

Im Rahmen ihrer Westbalkan-Politik vermittelte die EU zwei bedeutende Abkommen zur Regelung polarisierter politischer Konflikte: das Brüsseler Abkommen für Kosovo (2013-) und das Pržino-Abkommen für Makedonien (2015-). Basierend auf der sozialwissenschaftlichen Literatur zur Konfliktbeilegung identifiziert die Arbeit die Fairness der Mediation, die Zufriedenheit der Konfliktparteien sowie die Effektivität und Legitimität der vermittelten Konfliktregelungen als zentrale Kriterien zur Bewertung der beiden Vermittlungsinitiativen. Insgesamt stellt die Autorin fest, dass die EU-Vermittlung in Makedonien erfolgreicher war als in Kosovo, weil sich die Vermittlung auf die Lösung der politischen Krise beschränkte und alle relevanten lokalen politischen Akteure einbezog. Bei der Aushandlung des Brüsseler Abkommens dagegen wurden die kosovo-serbischen Vertreter und die kosovo-albanische Opposition nicht direkt beteiligt. Der weniger inklusive Vermittlungsprozess führte auch dazu, dass die Implementation des Abkommens und insbesondere die Gründung eines öffentlich-rechtlichen Verbandes von Gemeinden mit kosovo-serbischer Bevölkerungsmehrheit bis Mitte 2018 scheiterte.

 

Die normative Macht der EU und die Hindernisse einer Justizreform in der Republik Moldau (Ioana Maria Troancă)

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die EU im Rahmen der Östlichen Partnerschaft dazu beitragen konnte, das moldauische Justizsystem und insbesondere das Verfassungsgericht in seiner Unabhängigkeit, Professionalität und rechtsstaatlichen Kontrollfunktion zu stärken. Basierend auf einem Überblick zur Europäischen Nachbarschaftspolitik und zur Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit in der EU rekonstruiert die Arbeit den Verlauf der Justizreform sowie ihre Ergebnisse im Hinblick auf das Verfassungsgericht. Die Autorin argumentiert, dass das Justizministerium die Justizreformstrategie von 2011 nicht bzw. nur teilweise und verzögert umsetzte und mächtige heimische Wirtschaftsakteure Schlüsselpositionen in der Judikative kontrollierten. Zudem überschätzte die EU Moldovas Verwaltungskapazität, überwachte die Implementation von EU-finanzierten Reformen nicht effektiv und verknüpfte die avisierte Vertiefung der Beziehungen nicht enger mit der Implementation der Justizreform.

 

Intelligence Cooperation in the European Union (Irina Ungureanu)

The Paris terrorist attacks of November 2015 have demonstrated that the lack of cooperation between national security agencies contributed to the failure of the French authorities to identify the perpetrators and prevent the realization of their plans. The present thesis analyzes the cooperation activities of national security agencies and secret services within the EU. These deficiencies in transnational cooperation may be explained with mutual distrust and a lack of cooperation incentives among national security agencies, drawing on constructivist and rationalist theories of International Relations. To improve the cooperation, the EU has established a European Counter Terrorism Centre (ECTC) as a part of Europol. Europol, ECTC, Eurojust and Frontex are to improve the coordination among intelligence services, police agencies, prosecutors and border control authorities of EU member states. These efforts have been integrated and made an EU policy priority with the 2015 Agenda on Security. The thesis reviews and assesses the state and prospects of the EU cooperation initiatives.